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Venezuela, 3. Januar 2026: Der Tag, an dem die Dämme brachen

Am 3. Januar 2026 haben die USA in Venezuela militärisch zugeschlagen und Maduro festgesetzt – verkauft als Anti-Drogen- und Sicherheitsoperation, faktisch ein Regimewechsel. Dieser Artikel zerlegt die offizielle Fentanyl-Erzählung, zeigt die Rohstofflogik hinter dem Einsatz, erklärt die Kartell-Dynamik und den völkerrechtlichen Bruch – und skizziert, warum dieser Präzedenzfall China, Russland und die nächste Eskalationsstufe ermutigen könnte. Ein Wendepunkt der Weltordnung – mit Folgen bis nach Europa.

Man kann Nicolás Maduro vieles nennen: Autokrat, Diktator, Zerstörer eines Landes, das auf einem Rohstoffschatz sitzt und trotzdem verarmt ist. Alles richtig. Niemand muss Maduro romantisieren, um das Offensichtliche auszusprechen: Was in der Nacht auf den 3. Januar 2026 passiert ist, war kein „Law-Enforcement“. Es war ein Angriff.

Die USA haben militärisch in Venezuela zugeschlagen. Explosionen in Caracas, Angriffe auch in anderen Regionen, Stromausfälle, Chaos. In einer koordinierten Operation wurden Maduro und seine Frau Cilia Flores festgesetzt und außer Landes gebracht – nach New York, wie mehrere große Medien und Reuters berichten.  Trump hat das öffentlich gefeiert und im gleichen Atemzug erklärt, die USA würden Venezuela erstmal „führen“ beziehungsweise „run“ – bis ein „sicherer Übergang“ stehe. Das ist nicht die Sprache eines Haftbefehls. Das ist die Sprache eines Regimewechsels. 

Und genau deswegen wird dieses Datum vermutlich nicht als „Maduro wurde geschnappt“ in Erinnerung bleiben – sondern als Wendepunkt. Als Moment, in dem die ohnehin angeschlagene Weltordnung endgültig in den Modus „Recht des Stärkeren“ gewechselt ist.


Recht und Realität – warum das kein „normaler Zugriff“ ist

Fangen wir mit dem an, was man eigentlich nicht mehr erklären müssen sollte: Völkerrecht ist keine Menükarte. Artikel 2(4) der UN-Charta ist ziemlich eindeutig: Staaten sollen die Androhung oder Anwendung von Gewalt gegen die territoriale Integrität oder politische Unabhängigkeit anderer Staaten unterlassen. 

Es gibt Ausnahmen. Vor allem Selbstverteidigung (Art. 51) oder ein UN-Mandat. Und ja, es gibt Grauzonen, es gibt Streit über „humanitäre Intervention“, über „Responsibility to Protect“ und so weiter – nur: Nichts davon ist hier sauber auf dem Tisch. Stattdessen wird es als Mischung aus Anti-Drogen-Operation, Anti-Terror-Story und moralischem „Maduro ist böse“ verkauft. Das reicht nicht. Nicht einmal dann, wenn Maduro tatsächlich ein internationaler Gangster wäre.

Das ist genau der Punkt, den man nicht wegwischen kann: Ein US-Strafverfahren ersetzt keine völkerrechtliche Grundlage für Bomben und Spezialkräfte in einer fremden Hauptstadt. Dass US-Recht und Anklagen existieren, ist unbestritten – die US-Justiz hat Maduro bereits 2020 angeklagt, u. a. wegen „narco-terrorism“ und Kokain-Verschwörung.  Aber selbst wenn man diese Anklage politisch und juristisch ernst nimmt: Der Sprung von „Angeklagt“ zu „Wir fliegen mit über 150 Luftfahrzeugen rein und holen den Präsidenten raus“ ist genau der Sprung, der aus Rechtsstaat Imperium macht. 

Und innenpolitisch in den USA ist das Ganze genauso dünn. Mehrere Berichte stellen heraus, dass die Aktion ohne klare Kongressautorisation lief und dass in Washington jetzt die War-Powers-Debatte hochkocht.  Das ist keine Fußnote. Selbst die USA haben Regeln dafür, wann der Präsident militärische Gewalt anordnet, und warum. Der Congressional Research Service beschreibt die War Powers Resolution als Mechanismus, der genau solche Alleingänge begrenzen soll. 

Kurz: Völkerrechtlich wirkt es wie Aggression, innenpolitisch wie Übergriff – und kommunikativ wie eine PR-Kampagne, die im Militärlook auftritt.


Das perfekte Timing – „Wag the Dog“ ist nicht nur ein Film

Jetzt kommt der zynische Teil. Und ja: Ich weiß, das klingt nach „Verschwörung“, wenn man es falsch formuliert. Deswegen sauber: Ich behaupte nicht, dass Venezuela wegen Epstein passiert ist. Ich behaupte, dass große außenpolitische Schocks erstaunlich oft genau dann passieren, wenn es innenpolitisch brennt – und dass dieses Timing politisch funktioniert.

Parallel zur Eskalation in Venezuela läuft in den USA die nächste Runde im Epstein-Komplex: Das Justizministerium prüft nach Berichten Millionen von Seiten, die Veröffentlichung zieht sich, Deadlines werden gerissen, politischer Druck wächst.  Das ist ein Thema, das – wenn es kippt – auch sehr unangenehme Namen treffen kann. Und es ist ein Thema, das man am besten aus den Schlagzeilen verdrängt, indem man etwas Größeres liefert: Feuerwerk, Flaggen, „Wir haben den Bösewicht“, live in Dauerschleife.

Das nennt man in der Politikwissenschaft nicht „Aluhut“, das nennt man schlicht Agenda-Setting. Und wer Trump kennt, weiß: Er ist nicht der Mann der leisen, juristischen Begründungen. Er ist der Mann der maximalen Show. Venezuela ist die perfekte Bühne dafür.


Die Fentanyl-Story – warum das nach PR klingt, nicht nach Lagebild

Trump verkauft den Schlag als nationale Sicherheitsmaßnahme: Drogen, Terror, Schutz der Amerikaner. Der Satz „wir stoppen Fentanyl“ zieht in den USA immer. Nur hat er einen Haken: Venezuela ist nicht der Kern des Fentanyl-Problems.

Der harte Kern der US-Überdosis-Krise hängt seit Jahren an synthetischen Opioiden – vor allem Fentanyl. Die offiziellen US-Behörden sind da ziemlich klar: Illicitly manufactured fentanyl dominiert den Markt, und mexikanische Kartelle spielen eine Schlüsselrolle bei Produktion und Distribution, oft mit Vorläuferchemikalien aus internationalen Lieferketten. 

Auch die Datenseite ist eindeutig: CDC/NIDA zeigen, wie zentral synthetische Opioide (inkl. Fentanyl) bei Überdosis-Todesfällen sind. 

Heißt das, Venezuela sei unschuldig im Drogengeschäft? Nein. Venezuela ist seit Jahren ein wichtiger Knoten im Kokain-Transit – vor allem aus Kolumbien Richtung Karibik, Europa, Westafrika. Und die Vorwürfe gegen Teile des venezolanischen Militärs („Cartel de los Soles“) sind seit Langem in der Welt. Die USA haben diese Erzählung 2025 sogar massiv aufgeladen, indem sie das „Cartel de los Soles“ als terroristische Organisation labelten – inklusive dem Hinweis, das erweitere US-Optionen, wobei Juristen gleichzeitig sagen: Das ist keine automatische Militärerlaubnis. 

Genau da liegt der Trick: Du nimmst ein reales Problem (Korruption, Kokain, kriminelle Netzwerke), klebst das Label „Fentanyl“ drauf, und schon klingt es wie ein direkter Schutz der amerikanischen Familien. Aber wer die Lieferketten kennt, merkt: Das ist ein politischer Aufkleber.


Rohstoffpolitik mit Flagge – es geht ums Öl, natürlich

Wenn du wissen willst, was wirklich zieht, schau nicht auf die moralische Rede. Schau auf den Rohstoff.

Venezuela sitzt auf gewaltigen Ölreserven, und die Ölindustrie ist gleichzeitig kaputt, verrottet, unterfinanziert, sanktioniert. Und Trump sagt – laut Berichten – relativ offen, US-Ölkonzerne sollen helfen, den Sektor „wieder aufzubauen“, und die USA würden das Land „run“. 

Das ist der Punkt, an dem der ganze „Drogenkrieg“-Soundtrack in den Hintergrund rutscht und die alte Logik laut wird: Einflusszone, Ressourcen, Kontrolle. Man kann es Monroe-Doktrin nennen, man kann es Imperialismus nennen – am Ende ist es dasselbe Muster: Der Hinterhof wird neu geordnet, und die Begründung liefert man nach.

Und wer glaubt, das sei nur Rhetorik: Reuters berichtet nicht nur über die Festnahme, sondern auch über die unmittelbaren Marktreaktionen, Investorenfantasien und die Frage, ob und wie schnell venezolanisches Öl „zurück“ kommt – inklusive Warnungen, dass das nach Regimewechseln historisch selten schnell und sauber funktioniert (Irak, Libyen). 


Der lateinamerikanische Bumerang – warum das Chaos jetzt erst anfängt

Der gefährlichste Irrtum in Washington ist der alte Reflex: „Wir nehmen den Kopf weg, dann wird der Körper gesund.“ Das ist die Denkweise von Leuten, die Länder wie Firmenorgcharts behandeln.

Das Trauma ist real – und dokumentiert

Lateinamerika hat eine lange Erinnerung an US-Interventionen, verdeckte Operationen, Putsche, „passende“ Regierungen. Das ist nicht nur Folklore, das ist Aktenlage: Guatemala 1954 (Operation PBSUCCESS) ist deklassifiziert und bei National Security Archive und CIA-Readingroom dokumentiert. 

Und ja: Nicht jede Krise dort ist „Amerikas Schuld“. Aber wenn Washington jetzt offen mit Militär reingeht, wirkt das nicht wie Rettung – sondern wie Wiederholung. Das erzeugt Widerstand nicht nur bei Maduro-Loyalisten, sondern auch bei Leuten, die Maduro hassen, aber keine US-Verwaltung im Präsidentenpalast wollen.

Kartelle sind Akteure, keine Statisten

Hier wird’s praktisch – und hässlich.

In vielen Regionen Lateinamerikas ist organisierte Kriminalität nicht „Kriminalität am Rand“, sondern eine zweite Ebene von Governance: Jobs, Schutz, „Regeln“, Geldflüsse. Wenn du einen ohnehin korrupten Staat militärisch zerschießt, entsteht kein leerer Raum, der sofort von Demokratie gefüllt wird. Er wird gefüllt von dem, was schnell ist, brutal ist und Cash hat.

Machtvakuum + Armut + Waffen + Schmuggelrouten = Paradise for Narco-Governance.

Und Venezuela ist dafür besonders anfällig: Wirtschaft kollabiert, Institutionen schwach, Streitkräfte fragmentiert, bewaffnete Gruppen und Schmuggelnetzwerke vorhanden. In so einem Setting ist „Übergangsregierung“ ein Wort, das in Washington gut klingt, aber vor Ort oft nur bedeutet: neue Gesichter, gleiche Gewaltökonomie.

Wenn die USA das Land faktisch „führen“ wollen, werden sie entweder (a) länger bleiben als angekündigt oder (b) eine lokale Elite installieren, die ohne US-Stütze nicht überlebt. Beides hat einen Preis: Legitimität bricht weg, Widerstand wächst, Sabotage wird Alltag.


Der globale Dammbruch – die USA normalisieren, was sie bei Russland verurteilen

Jetzt kommen wir zum Kern der geopolitischen Katastrophe.

Russland hat die Ukraine überfallen und sich dabei rhetorisch auch alles Mögliche zurechtgelegt. Der Westen hat gesagt: Grenzen verschiebt man nicht mit Gewalt. Souveränität gilt. Punkt.

Und dann macht die USA am 3. Januar 2026 in Venezuela genau das, was sie anderen moralisch verbietet: militärisch rein, Führung raus, wir übernehmen. Der Guardian und die Washington Post beschreiben den militärischen Charakter der Operation – mit Luftschlägen, Spezialkräften, massiver Vorbereitung. 

Damit ist die moralische Linie nicht „angekratzt“. Sie ist durchtrennt.

Und das ist ein Geschenk für Autokraten: Nicht weil sie plötzlich militärisch stärker werden, sondern weil sie rhetorisch und politisch stärker werden. Denn ab jetzt kann jeder Expansionist sagen: „Ihr macht es doch auch.“ Die UN-Logik – Gewaltverbot als Basis – wird zur Empfehlung, nicht zur Norm. 


Taiwan, Georgien, Baltikum – was dieser Präzedenzfall anrichtet

Ich würde gerne sagen: „Beruhigt euch, Venezuela bleibt regional.“ Aber das wäre Selbstbetrug.

China / Taiwan: das rhetorische Messer liegt jetzt auf dem Tisch

China muss nicht morgen Taiwan stürmen, um aus Venezuela Nutzen zu ziehen. Es reicht, wenn Peking in jeder internationalen Debatte sagt: Ihr habt gezeigt, dass Einflusssphären gelten. Wir handeln in unserer Region. Der Schritt von „Monroe-Doktrin“ zu „Ein-China-Prinzip“ ist sprachlich minimal. Politisch ist er maximal.

Und das perfide: Der Westen hat weniger Glaubwürdigkeit, dagegen zu argumentieren, weil er gerade selbst die Regel gebrochen hat. 

Russland: Präzedenzfälle sind Putins Lieblingsdroge

Putin braucht keine venezolanische Allianz, er braucht nur das Beispiel. Georgien ist der logische Testballon: Russland hat dort seit 2008 faktische Einflusszonen. Ein erneuter Vorstoß wäre „billig“ im Verhältnis zum Baltikum – und er testet Europa und NATO.

Und dann kommt das Albtraum-Szenario: nicht die klassische Panzerkolonne, sondern eine „begrenzte Schutzoperation“ für „bedrohte Minderheiten“, begleitet von Cyberangriffen, Desinformation, Sabotage. Ein Nicaragua-Case in Europa, nur in modern. Die internationale Rechtsprechung kennt dieses Muster „Intervention und Gewalt“ längst – das ICJ-Urteil Nicaragua vs. USA (1986) ist ein historisches Lehrstück, wie Interventionen völkerrechtlich bewertet werden. 

Die Wahrscheinlichkeit, dass Moskau glaubt, es könne testen, wie ernst NATO-Solidarität wirklich ist, steigt beträchtlich.


Der „Grand Bargain“ – neue Jalta-Fantasie oder realistisches Risiko?

Jetzt zur gefährlichen Hypothese, die man als Hypothese benennen muss:

Trump ist ein Deal-Mann, kein Werte-Mann. Das ist kein moralisches Urteil, das ist sein Stil. Er denkt in „geben/nehmen“, Einflusszonen, Druckpunkten. Venezuela wirkt wie die Reaktivierung einer brutalen Einflusssphären-Logik: Amerika kontrolliert den amerikanischen Kontinent – sichtbar, notfalls militärisch.

Kann es dazu stillschweigende Arrangements geben? Möglich. Bewiesen? Nein. Aber das Muster ist nachvollziehbar:

  • USA: „Unser Hinterhof, unsere Ressourcen, unsere Migration, unsere Ordnung.“

  • China: „Asien, Taiwan, Südchinesisches Meer.“

  • Russland: „Postsowjetischer Raum, Georgien, Druck auf Osteuropa.“

In diesem Szenario kommt kein Weltkrieg im Hollywood-Sinn. Es kommt etwas Kälteres: Großmächte fressen Nachbarn, und alle anderen werden zu Verhandlungsmasse. Venezuela wäre dann nicht Ausrutscher, sondern Startsignal.


Europa – der Schlafwandler im brennenden Haus

Und Europa? Europa liest immer noch das Drehbuch von 1990 und wundert sich, dass der Film längst gewechselt hat.

Wenn die USA sich politisch und militärisch in Lateinamerika bindet und parallel die regelbasierte Ordnung selbst zerlegt, steht Europa doppelt nackt da: moralisch und strategisch. Moralisch, weil das Argument „wir verteidigen internationales Recht“ ab jetzt von jedem Zyniker zerpflückt wird. Strategisch, weil Europa militärisch noch immer nicht die Fähigkeit hat, ohne US-Schutzschirm glaubwürdig abzuschrecken.

Die „Zeitenwende“ ist in vielen Bereichen nicht an fehlenden Worten gescheitert, sondern an Geschwindigkeit, Industrie, Beschaffung, politischem Mut. Und während Europa diskutiert, werden weltweit Fakten geschaffen. Wenn Regeln verschwinden und Macht dominiert, wird Europa vom Spieler zum Spielfeld.


Die Büchse der Pandora ist offen – und die Rechnung kommt erst noch

Der 3. Januar 2026 war kein Polizeieinsatz. Er war ein Dammbruch. 

Wir sehen eine gefährliche Mischung aus:

  • einer legalen Erzählung („Anklage“, „Drogen“, „Terror“), die die militärische Realität nicht trägt, 

  • einem politischen Timing, das nach innen nützlich ist (während parallel die Epstein-Aktenfrage weiter kocht), 

  • einer Rohstofflogik, die nicht mal mehr versteckt wird, 

  • und einer massiven Unterschätzung dessen, was ein Machtvakuum in einem narco-durchtränkten, institutionell kaputten Staat anrichtet.

Maduro ist weg. Aber das Problem ist jetzt größer als Maduro.

Denn die Welt hat am 3. Januar 2026 etwas gelernt – nicht aus einem Lehrbuch, sondern aus einer Live-Operation: Das stärkere Militär setzt Fakten. Und sobald das wieder die globale Grammatik ist, sind Taiwan, Georgien, das Baltikum und am Ende auch Berlin nicht „weit weg“, sondern Teil derselben Rechnung.

Die alte Weltordnung ist nicht in einer großen Schlacht gestorben. Sie ist an einem Samstag in Caracas ein Stück weiter zerbröselt – begleitet von Statements, die nach „Ordnung“ klingen, aber nach Macht riechen.

Und Macht hat eine Eigenschaft: Sie macht süchtig. Vor allem, wenn sie ohne Konsequenzen bleibt.

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