Bio

Photo: Paul Eng

Photo: Paul Eng

Ich bin München geboren und in Bamberg aufgewachsen. Bis 1997 lebte ich in Deutschland. Nach der Schule ging ich 1989 zum Bundegrenzschutz, um Hubschrauberpilot zu werden. Seltsamerweise schaffte ich das Auswahlverfahren, denn ich war kein echter Kämpfer. Danach verbrachte ich die nächsten 8 Jahre beim BGS, der heutigen Bundespolizei. Nach Stationen in Coburg, Rosenheim und Deggendorf kam ich endlich zu den Fliegern. Dort blieb ich 5 Jahre (und über 500 Flugstunden) in der Fliegerstaffel Süd Oberschleissheim (allerdings nur als Flugplaner und Mitflieger).

Ebenfalls 1989 stieg ich, als leidenschaftlicher Skateboarder, das erste Mal auf ein Snowboard. Danach verbrachte ich jede freie Minute auf den Board und wurde bald zum Snowboardlehrer in Garmisch-Partenkirchen. Kurze Zeit später fuhr ich meinen ersten Deutschland Cup und wurde zum Snowboardprofi. Halfpipes und Big Jumps wurden bald langweilig und nach einer Einführung in das Extreme Snowboarding vom damaligen Weltmeister Tex Davenport verbrachte ich die meiste Zeit im Backcountry. Während meiner Profi Zeit reiste ich durch fast alle Skigebiete Europas und durfte auch ein paar der besten Freeride Gebiete der USA kennenlernen. Ich hab’s sogar bis hinauf nach Alaska geschafft.

1997 hab ich dann alles hingeworfen und einen Neuanfang in New York gemacht. Die BGSler wollten mich nicht zum Piloten machen und ich wollte nicht mein ganzes Leben lang Mitflieger bleiben. New York sollte eigentlich nur ein Stop auf meiner Weltreise sein, aber nach 3 Monaten ging mir das Geld aus und ich musste mich irgendwie durchschlagen. Damals hätte ich fast aufgegeben, aber eine kubanische Familie hat mir Mut gemacht und mir den Rücken freigehalten. Einfach so, weil ich ein feiner Kerl bin. Meinte sie. Ich hab 6 Monate auf der Couch der Familie geschlafen und konnte mir dann endlich mein eigenes Zimmer leisten. Die nächsten Jahre in den USA waren hart. Ich war oft am Limit und die ersten 2 Jahre illegal. Erst ein Freelance Job in einer Internet Agentur brachte den Durchbruch. Ich wurde schnell vom Webdesigner zum technischen Leiter der Agentur. Dann wurde die Agentur von einem großen Netzwerk gekauft und mein kometenhafter Aufstieg setzte sich dort fort, bis ich nach einem Jahr gemoppt wurde und danach beschloss meine eigene Firma zu eröffnen. Mein altes Agenturnetzwerk unterstützte mich anfangs finanziell und mit Aufträgen.

Das Geschäft lief gut und die Dollar kamen. Ich hatte eine Menge Spass. Hing mit Models ab und machte Party. Manhatten war mein Zuhause und ich war bekannt, wie ein bunter Hund. Dann kam der 11. September. Schon vorher lief unser Geschäft ein wenig schleppend. Nach 9/11 blieb unser Firmentelefon für 6 Wochen stumm. Danach riefen die Kunden an und verabschiedeten sich. Von zwölf Kunden blieb einer. Im Mai 2002 ging mir dann endgültig das Geld aus und ich verliess New York mit über $10 000 Steuerschulden.

Mai 2002. Neuanfang in einer Internetbude auf Teneriffa. Das Gehalt war gut. Der Job ansprechend. Warum nicht eine Weile auf der Rentnerinsel verbringen, die Schulden zurückzahlen und auf bessere Zeiten warten. Später stellt sich heraus, wäre ich länger in den USA geblieben und hätte die Firma am Leben erhalten, dann hätten wir bis zu $250 000 Ausfalls-Entschädigung vom US Staat bekommen. Wenn das Wörtchen wenn nicht wär….

Nach einem Jahr auf Teneriffa ruft mich mein Chef in sein Büro. „Junge, wir mögen Deine Arbeit, aber wir haben kein Geld mehr und Du bist zu teuer. Wir zahlen Dir noch 3 Monate Gehalt und Deine Wohnung und das war es. Sorry. Musst ab morgen auch nicht mehr zur Arbet kommen“. Ich geh auf die Terasse, um auf den Atlantik zu schaun und den Kopf frei zu bekommen. Dann klingelt mein Telefon und am anderen Ende ist ein Freund aus New York, welcher nach Moskau gezogen ist, um als Investmentbanker zu arbeiten.

Zwei Wochen später sitze ich im Flieger nach Moskau. Das gefällt mir am Anfang überhaupt nicht und ich fliege zurück nach Teneriffe. Dort mache ich sechs Monate Urlaub und als mich mein Vermieter fragt, ob ich meinen Vertrag verlänger, kündige ich und ziehe spontan nach Moskau. Der Anfang in Moskau war schwer und ich hatte ehrlich gesagt Angst. Vor den Leuten und dem Land. Alles ist so anders. Doch nach ein paar Monaten habe ich mich zurecht und einen Weg gefunden, für meinen Unterhalt zu sorgen. Hin und wieder gab es auch DJ gigs. Dann, nach ca 3 Jahren, habe ich meine eigenen Parties auf die Beine gestellt und diese wurden der Hit in Moskau. Seitdem organisiere ich wöchentliche Parties und dj in Moskaus coolsten und besten Clubs und Bars. In der Zwischenzeit habe ich eine Menge neue Leute kennengelernt und viel Spass gehabt. Ich habe mit Mafia- und Geheimdienstleuten, aber auch mit Stars gefeiert. Aber der Moskauer Underground ist mir zum Feiern immer noch am Liebsten. Ich trinke lieber einen Vodka Red Bull oder ein Bier, als Champagner.

Meine gesammelten Geschichten kommen am 18 Juli 2013 im Heyne Verlag heraus: „Fucking Moskau!“

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