Der Teufel wohnt am Patriarchy Prudy

Vor Kurzem hatte ich eine persönliche Begegnung mit dem Teufel und Behemoth aus Bulgakovs Meister und Margarita.

Der Teich unter den Linden ist einer meiner Lieblingsplätze in Moskau. Im Sommer kann man hier, mitten in der Stadt, am Ufer in der Sonne liegen und ein kühles Bier genießen. Die Wohngegend um den Teich ist eine der teuersten in Moskau. Die Gegend ist berühmt dafür, der Tummelplatz und das kreative Umfeld einiger von Russlands besten Schriftstellern gewesen zu sein. Mayakovsky hat hier gelebt. Puschkin war ebenfalls oft hier und natürlich Russlands beliebtester Schriftsteller der Moderne, Bulgakov. Sein Werk Master und Margarita spielt sogar in der Gegend um den Patriarchy Prudy und es beginnt damit, dass der Teufel mit seinem Assistenten, einer schwarzen Katze namens Behemoth auf einer Bank am Rande des Teiches sitzt. Bulgakovs Werk handelt vom Urlaubsbesuch des Teufels in Moskau und wie dieser, mit seinem Behemoth, den Partei-Bonzen zusetzt und Streiche spielt. Natürlich war das Buch während des Kommunismus verboten und Bulgakovs Werk wurde erst nach der Perestroika als Buch veröffentlicht. Danach wurde es zum Bestseller. Jedes Kind in Russland kennt mittlerweile „Master und Margarita“.

Früher hatten wir unser Büro direkt am Patriarchy Prudy, und immer wenn ich eine kreative Pause brauchte, dann ging ich ein paar Runden um den Teich. Schon damals viel mir auf, dass sich dort eine Menge Grufties und Heavy Metal Fans tummeln, obwohl die Gegend dort für diese Leute sicher zu teuer um Leben ist. Auch mein Bekannter Eugenie wohnt in der Nachbarschaft. Wir kennen uns schon ein paar Jahre, denn als Partymacher in Moskaus besten Klubs, kommt man an Eugenie und seinen Partnern nicht vorbei. Eugenie besorgt Moskaus wohlhabenden Männern die hochkarätigen Nutten und Drogen. Ich hatte mit Eugenie allerdings immer ein freundschaftliches Verhältnis und ich nutze diese Bekanntschaft nur für saubere Geschäfte. Es begann mit wertvollen Verbindungen zu reichen Geschäftsleuten. Später lud Eugenie mich zu privaten Partys von Oligarchen ein und stellte mich als seinen deutschen Freund vor. Über die Jahre kamen wir uns so nah, dass Eugenie mir sogar seine Kontaktliste zur Verfügung stellte, um Moskaus Haute-Volée zu einigen meiner Premium Veranstaltungen einzuladen. Eugenie bekam dafür einen Anteil vom Gewinn und das war es. Er fragte nie nach mehr und bis jetzt gelang es mir immer, Distanz zu seinen dunklen Geschäften zu halten. Eugenie ist ein echter Gentleman und ich frage mich oft, wie ein so intelligenter Mensch mit hagerem Körperbau unter den Kriminellen Moskaus zu etwas gebracht hat. Über die Jahre habe ich es zu schätzen gelernt, dass Eugenie immer genau das tut, was er verspricht. Das ist unüblich in Russland und sicher noch mehr in seinen Kreisen. Irgendwann hatte Eugenie so viel Vertrauen zu mir gefasst, dass er mich sogar eines Abends zu sich nach Hause zum Essen einlud. Doch was ich damals erlebte, gefiel mir nicht und ich versuche seitdem unsere Meetings auf neutralem Territorium zu organisieren.

Heute ist es wieder so weit. Ich muss Eugenie treffen, um ein Geschäft zu besprechen. Ich brauche Kontakte in den russischen Regionen, an welche ich ohne seine Hilfe nicht herankomme. Im Gegenzug biete ich ihm eine Gewinnbeteiligung, sollte aus dem Geschäft etwas werden. Wir waren am späten Nachmittag in einem Café im Zentrum verabredet, aber Eugenie hatte mich angerufen und den Termin nach hinten verschoben. „Ich bin gerade auf der Millionärsmesse“, sagt Eugenie. „… muss noch ein paar Leute treffen und schaffe es leider nicht, aber komm doch später bei mir zu Hause vorbei. Sagen wir gegen 18 Uhr?“. „Wie sieht’s mit morgen aus?“, frage ich, um den Hausbesuch zu umgehen. „Nein. Lieber heute. Schaffst du es nicht um 18 Uhr? Dann können wir uns auch später treffen“, meint Eugenie. „Na gut. Dann sehen wir uns später bei dir“, antworte ich, denn ich weiß, dass es generell schwer ist, einen Termin mit Eugenie zu bekommen.

Eine von Eugenies negativen Eigenschaften ist es, dass er generell eine halbe Stunde zu spät kommt. Also mache ich mich erst um sechs auf den Weg, um nicht zu früh vor verschlossenen Türen zu stehen. Pünktlich um 18:30 Uhr stehe ich vor Eugenies Wohnhaus am Patriarchy Prudy. In Russland ist das mit den Türklingeln nicht so einfach. Es stehen keine Namen an der Türe und dort wo bei uns die Klingelreihe steht, befindet sich in Russland nur ein großer Kasten mit einer Zifferntastatur. Man muss mindestens die Apartmentnummer wissen, um diese dort einzugeben. Meistens braucht man dazu sogar noch einen Code oder eine bestimmte Tastenkombination. Ich rufe Eugenie an, um danach zu fragen. „Du bist schon hier? Stehst du vor der Tür?“, fragt Eugenie und ich erkenne am Hintergrundgeräusch, dass er in einem Wagen sitzt. Super, jetzt kann ich wieder eine halbe Stunde im Kalten stehen und warten, denke ich. „Ja. Ich stehe vor deiner Tür“. „Der Code ist 666 und das Rautezeichen“, meint Eugenie. „Ich steh hier noch im Stau, bin aber bald daheim“. Ich ärgere mich. Bald, heißt in der Regel eine halbe Stunde, kann aber auch mehr sein. Na ja, wenigstens habe ich den Türcode und kann drinnen auf ihn warten. „Welcher Stock?“, frage ich. „Sechster!“, antwortet Eugenie. Kurz danach bin ich im Haus und fahre mit dem Aufzug in den sechsten Stock. Ich steige aus dem Aufzug und gehe zum Fenster, um die Aussicht auf den Teich zu genießen und eine zu rauchen, während ich auf Eugenie warte. Er hat zwei Wohnungen in dem Mietshaus zusammengelegt und bewohnt den ganzen Stock. Vor mir liegt ein Stapel Briefe auf dem Fenstersims. Es scheint die Post der letzten Tage zu sein. Telefonrechnungen, Werbung und die Abrechnung der Hausgemeinschaft. Als ich auf die Adresse sehe, macht es Kling! Eugenie wohnt in der Hausnummer 66. Im Apartment 66. Im 6. Stock. Kann das ein Zufall sein, oder habe ich es hier mit dem Teufel selbst zu tun? Ich muss grinsen. Was für ein Zufall, das passt ja wieder, wie die Faust aufs Auge. Wenn ich es mir so recht überlege, dann passt eigentlich alles. Eugenie ist ein hagerer großer Mann. Sein Gesicht ist irgendwie seltsam. Es scheint nicht aus unserer Welt zu sein. Außerdem ist Eugenie umgeben von unterwürfigen Dienern, die mich sehr an die verloren Seelen im Fegefeuer erinnern. Ist es wirklich, der Teufel, der hier am Patriarchy Prudy lebt und der Moskauer High Society seine Streiche spielt?

Eugenie wohnt nie alleine. Einige seiner Untergebenen leben mit ihm. Er spricht von Freunden, wenn er über sie redet, aber irgendwie sind diese Freunde alle unterwürfig und Eugenie hat eine seltsame Macht über sie. Das obwohl er ein ganz ruhiger und besonnener Mensch ist. Ich habe mich in seiner Gegenwart niemals bedroht gefühlt und er ist wirklich ganz und gar Gentleman. Die Belegschaft seiner Wohnung wechselt ständig. Er hat ein paar regelmäßige Mitbewohner. Andere kommen nur für ein paar Tage oder Wochen. Seine zwei Stammbewohner sind Arsen und Fedor. Ich kenne beide gut. Arsen ist dicklich, aber hält sich selbst für eine Schönheit. Fedor ist ein kleiner Dünner und etwas dümmlich. Ich treffe beide immer wieder im Nachtleben und auf VIP Events.

Beide sind Drogendealer und verkaufen Kokain und andere Muntermacher. Seltsamerweise kommen beide ein wenig naiv herüber und passen so gar nicht in mein Bild eines Drogendealers. Schon gar nicht in das eines Dealers, der die High Society Moskaus mit Stoff versorgt. Man sollte meinen, dass sie schon längst von der Konkurrenz aus dem Verkehr gezogen wurden und selbst wenn sie sich trotz ihres kindlich naiven Wesen behaupten könnten, nicht in einer WG mit anderen leben. Als Kokaindealer verdient man sicher nicht schlecht, oder? Trotzdem wohnen die beiden bei Eugenie und er hat eine seltsame Macht über sie.

Meine Zigarette ist gerade heruntergebrannt, als mein Telefon klingelt. „Wo steckst du?“, fragt Eugenie, als wäre er schon zu Hause und wundere sich, wo ich bleibe. Hm, bin ich im falschen Haus? Hinter mir ist der Ausgang des Aufzugs. Gleich gegenüber die Wohnungstüre. Ich stehe gerade mal zwei Meter davon entfernt. Keiner wäre an mir vorbei gekommen, ohne dass ich es bemerkt hätte.
„Ich steh vor deiner Tür und rauche eine Zigarette“, antworte ich. „Du weißt doch, dass dich das tötet“, witzelt Eugenie am anderen Ende. „Wieso gehst du nicht hinein?“, fragt er hinterher. „Ich warte auf dich!“. „Klingel. Es sind Leute in meinem Apartment. Die machen dir auf. Du kannst drinnen auf mich warten. Ich bin in Kürze bei dir“. Nachdem ich auflege, überlege ich, ob ich draußen warten soll und mir noch eine Kippe anzünde, oder mir Arsen, Fedor und die anderen verlorenen Seelen in Eugenies Wohnung antue. Kurz danach öffnet sich die Türe. Ein junger Mann mit Glatze schiebt den Kopf durch den Spalt und sieht mich an. „Kyrill?“, fragt er. „Nein, Chris“, antworte ich. „Ja ja. Komm schon rein. Eugenie hat gerade angerufen und mir gesagt, dass ich dir aufmachen soll“. Ich stecke meine Packung Zigaretten wieder in die Hosentasche und gehe zu ihm herüber. Als ich in die Wohnung trete, huschen zwei nackte Mädels kichernd an mir vorbei ins Wohnzimmer. Von dort dröhnt lauter russischer Hip-Hop. „Kleine Party. Geht schon seit Freitag so“, meint der Glatzköpfige und bittet mich ihm ins Arbeitszimmer zu folgen. Heute ist Dienstag und es ist gerade mal 19 Uhr, denke ich, als ich dem Glatzköpfigen hinterher laufe. Gerade als ich mich im Arbeitszimmer auf die Couch fallen lasse, verzieht dieser sein Gesicht: „Na na. Das geht gar nicht! Schuhe ausziehen! Das macht man doch bei uns so in Russland“. „Sorry, war kurz abgelenkt“, entschuldige ich mich und gehe abermals nach draußen in den Gang, um meine Schuhe auszuziehen. Die Türe des Badezimmers ist offen und ein Handwerker baut irgendetwas im Bad. Es riecht ein bisschen seltsam im Gang. Ich bin nicht sicher, ob es der Geruch von verbranntem Kokain oder Heroin ist. Vielleicht kommt der Gestank auch aus dem Badezimmer und hat mit den Bauarbeiten zu tun. Aus der Küche kommt ein Typ mit langen Haaren. Er trägt nur ein Handtuch um die Lenden und eilt ebenfalls in das Wohnzimmer. Dort geht immer noch der Punk ab. Man hört die Mädels jubeln und herumspringen.

Ich gehe zurück ins Arbeitszimmer und sehe dem Glatzkopf beim Scannen von Dokumenten zu. Hier ist es ruhig. Der Glatzkopf schließt die Tür. Das Treiben im Wohnzimmer scheint ihn bei der Arbeit zu stören. Er ist offensichtlich mit Buchhaltungsarbeiten beschäftigt und ich denke: „Siehe da. Die Unterweltbosse zahlen auch Steuern und müssen sich mit der übertriebenen russischen Bürokratie herumschlagen. Danach frage ich mich, was das für eine Firma ist und wie Eugenie sein Geld wäscht. Der Glatzkopf würdigt mich keines Blickes und geht ruhig seiner Arbeit nach. Es ist so, als wäre ich gar nicht im Raum, aber im Moment ist mir das ganz recht. Ich will so wenig wie möglich mit Eugenie zu tun haben und das auch mit seinen Gehilfen. Um so weniger sie über mich wissen, um so besser. Ein bisschen Paranoia hat noch nie geschadet, auch wenn ich mit Eugenie nur saubere Geschäfte mache. In Russland kann man recht schnell unabsichtlich auf der falschen Seite landen und plötzlich eine Menge Probleme bekommen. Diese löst man dann entweder mit Geld oder seinen Verbindungen, was auf lange Sicht auch nie umsonst ist, denn selbst wenn man nicht sofort zahlt, so zahlt man immer. Als Ausländer ist es schwer, die richtigen Verbindungen aufzubauen, zu bewerten, ob diese Verbindungen etwas taugen und im Zweifelsfall auch funktionieren. Man ist nur ein kleines unwichtiges Stück im Getriebe, was in meinem Fall auch gut so ist. Man kommt schnell unter die Räder, wenn man nicht vorsichtig ist. Ganz so schlimm ist die Situation in Russland aber auch wieder nicht. Zumindest für mich, denn ich bin schlicht und einfach zu klein, mache zu wenig Geld und habe keinerlei Macht. Deswegen interessiert sich niemanden für mich und ich kann unter dem Radar fliegen. Nicht einmal die kleinen Fische halten mich für interessant und das ist auch gut so.

Ich sitze gedankenversunken auf der Couch im Arbeitszimmer, als die Tür aufgeht. Eugenie kommt herein begrüßt mich mit einer festen Umarmung. Hinter ihm steht Arsen, welcher in seinem top modischen Designer-Outfit, wieder ein bisschen overdressed ist. Das ist typisch Arsen. Er hält sich für Antonio Banderas und seine eigene Wahrnehmung kann von der Realität nicht weiter entfernt sein, als das kalte Russland von Spanien. Eugenie setzt sich an den Schreibtisch hinter mir und checkt seine E-Mails. Arsen zieht sein iPhone aus der Tasche und zeigt mir ein Video vom letzten Abend. Ein Mädchen wird gerade von hinten gefickt und bläst zur gleichen Zeit einem anderen einen. Arsen grinst: „Das bin ich“, meint er und zeigt dabei auf den Hintern des Mädchens. „Ich ficke sie gerade in den Arsch!“. Ich grinse verlegen und sehe nach, ob Eugenie endlich mit seinen Emails fertig ist und Zeit für mich hat. Arsen gefällt das Video. Er grinst zufrieden und hackt ein bisschen auf seinem iPhone herum. Anscheinend gibt es noch mehr davon. Dann hält er mir das iPhone abermals vors Gesicht. Dieses Mal stehen zwei Mädels nackt in der Wanne und duschen sich. Beide küssen und begrapschen sich. Die beide sind Anfang zwanzig und sehen gar nicht so schlecht aus. „Die beiden haben wir Freitagabend im Krysha aufgerissen und mit nach Hause genommen. Seit dem sind sie hier bei uns und wir haben eine Menge Spaß“. „Seit Freitag?“, frage ich, um Arsen ein bisschen Zuneigung zukommen zu lassen. Gott sei Dank, hat man ihn im vorherigen Video nicht gesehen. Der Bildausschnitt endete kurz nach dem Hintern des Mädchens. Der Gedanke Arsen beim Sex mit einem dieser Mädels zu sehen, ekelt mich an. Ich weiß nicht. Eigentlich ist Arsen ein ganz Netter und Lieber. Auch er kommt ein bisschen naiv und kindisch herüber und man kann fast nicht glauben, dass er einer der wichtigsten Kokaindealer Moskaus sein soll. Arsen ist nicht verkehrt, mal abgesehen von der Art, wie er sein Geld verdient. Zumindest hat ers sich mir gegenüber immer korrekt verhalten. Die Nummer mit den Mädels habe ich auch schon mit Managern von großen deutschen Firmen erlebt, das schockt mich nicht mehr und die Mädels werden nicht zum Sex gezwungen. Man gibt ihnen Geld, oder wie in diesem Fall, ein bisschen Koks, was zu essen und ein cooles Dach über dem Kopf, bis dann am Donnerstag die nächste Party steigt. Die Mädels sind sicher nicht aus Moskau und selbst wenn, dann wohnen sie in einem verdreckten Vorstadtapartment oder schlimmer noch in einem Studentenwohnheim.
Bevor Arsen mir das nächste Video unter die Nase halten kann, schaltet sich Eugenie in die Unterhaltung ein und wir kommen endlich dazu, unsere Geschäfte zu besprechen. Arsen lässt sich entspannt in die Couch sinken und hackt derweil weiter auf seinem iPhone herum. Nach einer Weile geht die Türe auf und eines der Mädels aus dem Video steht nur in Unterhosen vor uns. Sie will irgendetwas von Arsen, aber Eugenie schickt beide sofort vor die Tür, damit wir unsere Ruhe haben. „Das geht mir langsam auf die Nerven mit den Mädels“, meint Eugenie abwertend. Als wir mit dem Geschäftlichen fertig sind, plaudern wir noch ein bisschen, und als ich den richtigen Moment finde, frage ich: „Eugenie, ich wusste gar nicht, dass du der wahrhaftige Teufel in Person bist?“. Eugenies Miene verdüstert sich und ich bereue meinen kleinen Witz in Sekundenschnelle. Man kann förmlich sehen, wie Eugenie sich ärgert. Er läuft rot an und seine Augen werden größer. „Wie meinst du das?“, fragt Eugenie beherrscht und höflich hinterher. Ich lächle freundlich, „Na ja, Hausnummer 66? Am Patriarchy Prudy? 6.Stock und Apartmentnummer 66? Master und Margarita? Bulgakov“. Eugenie versteht meinen Humor und taut auf. Er lächelt: „Na klar. Ich bin der Teufel und Arsen ist Behemoth. Dass dir das erst jetzt auffällt. Nachdem wir uns schon so lange kennen“. Er scheint zufrieden mit dem Vergleich und ich bin heilfroh, dass dieser leichtsinnige Versuch einen Witz zu machen, nicht nach hinten losgegangen ist.

Die Tür geht auf und der Typ, der vorhin aus der Küche kam, steht vor uns. „Störe ich?“, fragt er. Eugenie schüttelt den Kopf und der Langhaarige setzt sich neben mich auf die Couch. Er trägt jetzt eine Jogginghose. Zu meiner Verwunderung spricht er sehr gutes Deutsch. Wir unterhalten uns ein wenig in Deutsch, aber ich will Eugenie gegenüber nicht unfreundlich sein und außerdem stellt der Langhaarige zu viele Fragen. Also antworte ich mit klare Killerphrasen. Doch der Langhaarige gibt nicht auf und ich bekomme langsam Paranoia. „Eugenie, entschuldige bitte. Ich muss weiter. Hab gleich noch ein Date mit einem Mädel zu Hause“. „Hm, ich wollte dir gerade anbieten, dass du eine unserer beiden Gäste ficken kannst, wenn du willst. Aber, wenn du ein Date hast…“. „Passt schon, Eugenie. Danke für das Angebot. Ich denke es sind ohnehin schon genug Leute über die beiden Mädels gerutscht. Da muss ich nicht auch noch ran“. Eugenie grinst, während ich mich vor Ekel fast schütteln muss und verzweifelt versuche, das Schütteln zu unterdrücken. Auf dem Weg zum Ausgang laufen wir am Wohnzimmer vorbei. Ich sitze auf einem Sessel, um mir die Schuhe anzuziehen. Im Wohnzimmer sitzt eine von den beiden Mädels vor Arsen und bläst ihm einen. Der grinst mich über beide Ohren an. „Willst du auch?“, fragt er zu mir herüber, aber ich winke nur kurz ab „Viel Spaß und mach’s gut. Pass auf, dass keine Flecken auf deinen teuren Anzug kommen“. Danach bringt mich Eugenie zum Aufzug. „Unten wartet mein Fahrer. Großer schwarzer BMW mit Blaulicht. Er weiß bescheid und wird dich nach Hause fahren“, meint Eugenie. „Nein. Das ist nicht nötig. Ich nehme mir ein Taxi. Ich will keine Umstände machen“, antworte ich. „Das macht keine Umstände. Genieße den Luxus dieser kurzen Fahrt“. Auf dem Weg nach unten überlege ich, wie ich den Fahrer loswerden kann. Eugenie, wie fast niemand in Moskau, weiß wo genau ich wohne und ich hätte es lieber, wenn das auch so bleibt. Wie gesagt, ein bisschen Paranoia schadet nicht. Unten angekommen, wartet schon Eugenies Fahrer. Der Wagen steht vor der Tür und der Fahrer vor ihm, eine Zigarette rauchend. Als ich hinausgehe, wirft der Fahrer die Zigarette weg und öffnet mir die Wagentür. Ich steige hinein. Es ist ein schöner Wagen mit viel Beinraum und Ledersitzen. „Wo soll’s denn hingehen?“, fragt der Fahrer. „Sukharevskaya“, antworte ich. Wir fahren durch die Innenstadt. Um diese Zeit haben sich die meisten Staus aufgelöst und das Blaulicht bleibt aus, was mir auch lieber so ist. Als wir bei mir zu Hause angekommen sind dirigiere ich den Fahrer ein paar Blocks weiter. Dort angekommen, bedanke und verabschiede ich mich. Danach gehe ich wie selbstverständlich zu einer der Wohnungstüren und tue so, als würde ich meinen Schlüssel suchen. Der dunkle BMW fährt davon und als er um die Ecke ist, laufe ich grinsend nach Hause. Ein bisschen Paranoia schadet nie!

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